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Rettet die Kitze!


  • Wiesenmahd als Todesfalle – Straubinger Jäger fordern mehr Verantwortung für Wildtiere bei der Futterernte
  • Tipps zur Vermeidung von Wildtierverlusten
  • Tierrettung mit Ultraschalltechnik

Straubing-Bogen, den 08.05.2019
Die erste Mahd wird jedes Jahr zur Todesfalle für Tausende von Jungtieren. Denn die Ernte fällt mit der Brut- und Setzzeit von Rehkitzen, Junghasen und Wiesenbrütern zusammen, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs sicher wähnen. Ihre Überlebensstrategie, das „Drücken und Ducken“ schützt Kitze und Junghasen vor Fuchs und Greifvögeln, aber nicht vor dem Kreiselmähwerk.

Straubinger Jäger fordern mehr Verantwortung
Wenn die Bauern jetzt im Mai mit der Futterernte beginnen, fallen den riesigen Maschinen bundesweit jedes Jahr hunderttausende von Rehkitzen, kleinen Hasen und Bodenbrütern zum Opfer. Allein 90.000 Rehkitze werden jährlich bei der ersten Grünlandmahd grausam verstümmelt oder getötet.
Markus Landsmann Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Straubing Stadt und Land und Ausschussmitglied im Ausschuss Niederwild des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) erklärt dazu: „Das Problem: Die Jungtiere laufen auch bei großer Gefahr nicht weg, sondern drücken sich instinktiv in ihr Versteck. Maschinen mit großer Arbeitsbreite fahren oft mit hoher Geschwindigkeit über die Felder. Da haben die Tiere keine Chance mehr.“


Tierleid verhindern!
Ein Problem ist der Mähtod auch für die Landwirte selbst, denn sie verstoßen gegen das Tierschutzgesetz, wenn sie Jungtiere bei der Mahd verstümmeln oder töten, ohne im Vorfeld versucht zu haben, dieses Tierleid zu verhindern! Laut Gesetz drohen hier hohe Strafen.

Wiesenmahd als Todesfalle - Verantwortung für Wildtiere übernehmen
Deshalb appelliert Landsmann an das Verantwortungsgefühl bei den Landwirten: „Effektive Wildtierrettung beginnt bereits vor der Mahd“, so der Vorsitzende. „Nur, wenn die Landwirte die Mähtermine für Silage und Grünroggen zur Biomasseproduktion rechtzeitig abstimmen, hat der Jagdpächter die Möglichkeit, Wildscheuchen aufzustellen und die Wiesen und Felder nach Jungwild abzusuchen.


So geht’s richtig – Hinweise für den Landwirt

  • Aber auch mit der richtigen Mähstrategie können viele Wildtiere vor dem Mähtod gerettet werden. Mähstrategie: Beim Grünlandschnitt sollte die Wiese grundsätzlich von innen nach außen gemäht werden, damit Rehe, Hasen und Fasane, während der Mahd noch die Möglichkeit zur Flucht haben. In Nordrhein-Westfalen ist dies mittlerweile eine gesetzliche Verpflichtung; in Bayern soll es nach dem neuen Gesetzentwurf ab 2020 für Flächen ab 1ha auch zur Pflicht werden.
  • Schnitthöhe: Je höher der Schnitt, desto geringer sind die Verluste bei den Jungtieren, die sich auf den Boden drücken und bei Bodenbrütern. Bei der Ernte von Grünroggen für die Biogasanlage hat sich eine Schnitthöhe von 15 bis 20 Zentimetern in der kritischen Aufzuchtzeit bewährt. Von einer höheren Schnitthöhe profitieren Bodenbrüter, aber auch bodennah lebende Insekten, Nager und Amphibien.
  • Vergrämung: Elektronische Wildscheuchen, die unterschiedliche Töne, wie Menschenstimmen, Musik oder Geräusche in unterschiedlicher Lautstärke aussenden versprechen Erfolg.

Tierrettung mit Ultraschalltechnik
Der Niederwildausschuss des BJV testet hierzu dieses Jahr ein Gerät mit Ultraschalltechnik. Dieses Gerät wird am Mähwerk per Magnetfuß montiert und einfach an die siebenpolige Steckdose am Schlepper angesteckt. Durch die für den Menschen nicht hörbaren Töne soll das Wild aufgeschreckt und so vor dem Mähtod bewahrt werden.

 

So können sie das Gerät testen
Sie möchten als Landwirt oder Jäger mitmachen? Unter jagd-straubing@t-online.de können sie sich anmelden, wann sie das Gerät testen und ausleihen möchten. Es wäre erfreulich, wenn möglichst viele Landwirte und Jäger mitmachen würden, denn nur so kann man in Erfahrung bringen, ob dieses Gerät dann letztendlich auch wirklich zur Jungwildrettung hilft.