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Weniger sauber ist mehr


Straubinger Jäger: Artenvielfalt fördern und keine „aufgeräumten“ Flächen 
In diesen Wochen rücken in den Bauhöfen vieler Gemeinden wieder die Mäh- und Mulchfahrzeuge aus, um Straßen-, Weg- und Grabenränder und andere Freiflächen in der Gemeinde „aufzuräumen“ und schön sauber zu halten, auch wenn dort die Pflanzen jetzt in voller Blüte stehen.

 

Für unzählige Arten – Wildbienen und andere Insekten, Schmetterlinge und Kleinlebewesen – bedeuten diese Maßnahmen den sicheren Tod. „Ohne blühende Unkräuter gibt es keine Nahrungsgrundlage für Tausende verschiedener Arten“, erklären Simon Haimerl, Markus Landsmann und Ludwig Krinner, die drei Vorsitzenden der BJV-Kreisgruppen Bogen, Straubing Stadt und Land und Mallersdorf. Für viele Insekten wird die Mahd außerdem zur Todesfalle, sie werden kurzerhand mit geschreddert oder vom Sog getötet. Und damit fehlt auch vielen unserer Vögel die Insektennahrung, die gerade jetzt zur Aufzucht der Jungvögel so notwendig ist.

Artenschutz ernst nehmen
„Wir wünschen uns“, so Haimerl, Landsmann und Krinner „dass die Gemeinden umdenken und den Artenschutz schon jetzt und heute ernst nehmen und umsetzen, auch bevor das neue Gesetz zum Erhalt der Artenvielfalt beschlossen wird.“ Umdenken müssen natürlich auch die Landwirte und auch alle Bürger. Deshalb werben die drei Kreisgruppenvorsitzenden um mehr Verständnis für „unordentliche“ Wegränder, Gemeindeflächen, aber auch Hausgärten.

Sauber war gestern
„Weniger ist mehr“, betonen Haimerl, Landsmann und Krinner „ungemähte oder verblühte Weg- und Grabenränder bzw. kleine nicht gepflegte Ecken im Hausgarten mögen auf den ersten Blick ungepflegt aussehen, aber sie sind wertvoller Lebensraum in unserer so stark zersiedelten und versiegelten Landschaft. Denn auch unsere Insekten fallen nicht vom Himmel. Sie benötigen für ihre Entwicklung vom Ei zum fertigen Insekt Pflanzenmaterial.“ So brauchen zum Beispiel die Florfliegen hohle Stängel zur Eiablage, Schmetterlingsraupen Futterpflanzen wie die Brennnessel oder Libellenlarven Pflanzenteile, an denen sie an Land klettern können. Damit in unseren Dörfern auch Insekten und Kleinlebewesen und mit ihnen im ökologischen Zusammenspiel auch Hase, Rebhuhn und Fasan wieder eine Chance haben, appellieren die drei Kreisgruppenvorsitzenden an die Gemeinden, die Landwirte und die übrigen Bürger, ihr Bewusstsein für den Artenschutz und den Erhalt der Artenvielfalt zu schärfen.

Straubinger Tagblatt | Landkreis Straubing-Bogen | 24.05.2019